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20. März 2025 | 07:00 Uhr Anzeige
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Wie Digitalisierung die Pflege revolutioniert und entlastet

Pflege ist ein zutiefst menschlicher Beruf - von Menschen für Menschen. Dennoch ist nicht zu übersehen, dass der Pflegeberuf in Zeiten des demografischen Wandels und steigender Ansprüche immer herausfordernder wird. Kann die Digitalisierung helfen, die drängenden Probleme in der Pflege zu entschärfen und gleichzeitig zu verbessern? Die Antwort lautet: Ja, wenn sie gezielt und durchdacht eingesetzt wird.

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In einem Pflegeheim der Evangelischen Heimstiftung bringt ein sozialer Roboter die Heimbewohner zum Lächeln

Die Pflege in Deutschland steht vor großen Herausforderungen: Durch den demografischen Wandel hat sich die Zahl der Pflegebedürftigen zwischen 2011 und 2021 von 2,5 auf fast 5 Millionen verdoppelt. Gleichzeitig fehlt Pflegepersonal, weil die Berufsgruppe älter wird und viele Pflegekräfte nur in Teilzeit arbeiten. Hinzu kommt ein hoher Dokumentationsaufwand, der wertvolle Zeit von der eigentlichen Pflege abzieht. 

Die größten Herausforderungen lassen sich in drei Kernpunkten zusammenfassen:

 

  • Hoher Pflegebedarf: der steigende Anteil pflegebedürftiger Menschen
  • Personalmangel: zu wenig und überlastetes Pflegepersonal
  • Dokumentationspflichten: Zeitraubende Bürokratie

Die Digitalisierung bietet vielversprechende Ansätze zur Bewältigung dieser Herausforderungen. Drei besonders relevante Innovationsfelder sind Robotik, Sensorik und digitale Dokumentation.

Robotik: Unterstützung auf vielen Ebenen

Roboter könnten in Zukunft eine größere Rolle in der Pflege spielen. Serviceroboter bringen Essen, Getränke oder Medikamente, Heberoboter entlasten das Pflegepersonal bei körperlich anstrengenden Arbeiten wie dem Heben von Personen.

Besonders interessant sind soziale Roboter, die mit Pflegebedürftigen interagieren und so deren Einsamkeit verringern können. Sie führen Gespräche, spielen Spiele oder lesen vor. Menschliche Zuwendung können sie zwar nicht ersetzen, aber gerade in Zeiten des Personalmangels sinnvoll ergänzen.

Ein Beispiel für solche Entwicklungen wird derzeit in einem Pflegeheim der Evangelischen Heimstiftung im baden-württembergischen Albershausen erprobt. Dort hat "Emma" bereits die Herzen der Bewohner im Sturm erobert und bringt viel Freude in den Alltag: Die Geschichte von Seniorin Hedi und Roboter Emma.

Das Pilotprojekt ist Teil der Innovationsstrategie der Heimstiftung, die wie die Evangelische Bank und weitere Partner zu den Gründungsmitgliedern der Genossenschaft DUCAH gehört. DUCAH steht für Digital Urban Center for Aging and Health und verfolgt das Ziel, digitale Innovationen in Krankenhäusern und Pflegeheimen praxisnah zu erproben und anschließend weiterzuentwickeln.

Sensorik: Bedarfsgerechte Pflege statt Routine

Neben der Robotik hält auch die Sensorik zunehmend Einzug in den Pflegealltag. Sie kann Pflegeprozesse optimieren und sowohl Pflegekräfte als auch pflegende Angehörige entlasten. Sturzsensoren informieren das Pflegepersonal sofort, wenn sich eine Person ungewöhnlich lange nicht bewegt oder gestürzt ist. Nässesensoren in Betten melden Handlungsbedarf und Bewegungssensoren können automatisch das Licht einschalten, wenn Pflegebedürftige nachts aufstehen.

Diese Technologien ermöglichen bedarfsorientierte Rundgänge, bei denen das Pflegepersonal gezielt reagieren kann. Das Ergebnis: schnellere Hilfe für die Betroffenen und eine effizientere Nutzung der Arbeitszeit.

Digitale Dokumentation: Effizienz durch Automation

Auch die Digitalisierung der Pflegedokumentation ist ein entscheidender Hebel, um Pflegekräfte zu entlasten. Statt handschriftlicher Notizen und manueller Übertragung in Computersysteme könnten Gesundheitsdaten wie Blutdruck oder Puls direkt über vernetzte Geräte (IoT) erfasst werden. So sendet beispielsweise ein Blutdruckmessgerät die Werte automatisch an ein zentrales System, auf das alle Pflegekräfte Zugriff haben.

Mobile Endgeräte wie Tablets oder Smartphones ermöglichen es, Pflegepläne jederzeit einzusehen und direkt zu aktualisieren. So bleibt mehr Zeit für die persönliche Pflege und das Risiko von Datenverlusten wird reduziert. Laut Statistischem Bundesamt können allein durch den Einsatz digitaler Hilfsmittel täglich bis zu zwei Stunden pro Pflegekraft eingespart werden.

Herausforderungen und Grenzen der Digitalisierung

Trotz der vielen Chancen bringt die Digitalisierung auch Herausforderungen mit sich. Eine erfolgreiche Umsetzung erfordert Zeit, Schulungen und eine intensive Begleitung der Pflegekräfte. Digitale Kompetenz ist unabdingbar, um die neuen Technologien effizient nutzen zu können.

Auch der Datenschutz spielt eine zentrale Rolle: Gesundheitsdaten sind sensibel und müssen besonders geschützt werden. Einrichtungen sollten daher nur notwendige Informationen erfassen und strenge Sicherheitsstandards einhalten.

Darüber hinaus werfen automatisierte Systeme und KI-gestützte Anwendungen ethische Fragen auf: Wie viel Technik ist in der Pflege akzeptabel? Kann und darf Technik menschliche Nähe ersetzen? Diese Debatten müssen im Kontext der Digitalisierung immer mitgeführt werden.

Die Geschichte von Seniorin Hedi und Roboter Emma